15.12.14

Goldmedia Trendmonitor 2015: Was Youtube mit dem Fernsehen macht


Bewegung in der Welt des Bewegtbilds: Vor allem die jüngeren Zuschauer wandern Richtung Youtube ab. 2014 entfallen bereits 20 Prozent der gesamten Bewegtbildnutzung der 19- bis 29-Jährigen auf Onlinevideos und TV-Sendungen im Internet, so die Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie. Die deutschen Youtuber ApeCrime erzielen für ein neues Video oft über 500.000 Abrufe am Tag und eine Million in der Woche. Die Top Ten-Youtube-Kanäle aus Deutschland erreichten in der letzten Woche (KW 49, 2014) zusammen über 40 Millionen Views.

Die Top Ten-Angebote der ARD hingegen erreichen zusammen im Oktober 2014 gerade vier Millionen Abrufe, bei ProSieben rund 3,5 Millionen. Gemessen wurden die Videoabrufe von der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) in Zusammenarbeit mit Nielsen.

Im kommenden Jahr verstärken die privaten TV-Sender ihre Online-Aktivitäten. Mit Studio71 will die ProSiebenSat.1-Gruppe YouTube für sich nutzbar machen., Mediakraft schafft bereits 420 Millionen Abrufe im Monat mit einer Wachstumsrate von zehn Prozent. RTL hat vorerst auf eigene Entwicklungen verzichtet und engagiert sich mit 26 Millionen Euro an dem kanadischen Multi-Channel Network BroadbandTV.

Treiber des Wachstums sind vor allem die Multichannel-Networks – sogenannte MCNs, deren Bedeutung als Produzenten, Distributoren und Vermarkter von Videoinhalten über digitale Plattformen im kommenden Jahr weiter steigen wird. Multichannel-Networks werden für Filmstudios und TV-Sender als Produzenten, Aggregatoren und Vermarkter von Content zu starken Konkurrenten, weil sie ihren Kompetenzvorsprung in einem neuen und kräftig wachsenden Bereich schnell und systematisch ausbauen. Damit stehen die MCNs in der Tradition der Filmstudios und TV-Netzwerke, die seinerzeit auch in Reaktion auf die Entwicklung neuer Distributionswege entstanden sind.

Parallele zur Filmgeschichte Die US-amerikanischen Filmstudios waren anfangs Independents, die sich vor allem durch neue filmische Erzählformen und Innovationen gegen die bis 1917 von Edison, Pathe und Kodak beherrschte Motion Picture Patent Company (MPPA) durchsetzen konnten. Später zu erfolgreichen Major-Studios gewachsen, mussten sie selbst auf neuen Wettbewerb reagieren: die Entwicklung des Fernsehens. Eigene TV-Produktionsgesellschaften wurden gegründet und schließlich auch weltweit eigene TV-Sender. Damit konnte man vor allem die Kompetenz in der Content-Produktion erweitern und die Marktposition in der Distribution ausbauen.

2011 gründete Youtube die Audience Development Group zur Bündelung und gemeinsame Vermarktung von Youtube-Kanälen. Das war die Geburtsstunde der MCNs. Sie etablierten neue Content-Angebote und Geschäftsmodelle. In der Tradition der Major-Studios könnten sie damit eine ganz neue Ära des TV- und VoD-Marktes einläuten: die Major-Studios 3.0.

Die MCNs unterstützen nicht nur die Content-Produzenten und steigern deren Reichweite signifikant, sondern sie bündeln einzelne Amateur-Kanäle zu berechenbaren Werbeumfeldern. Damit tragen sie wesentlich zur Entwicklung dieser Content-Gattung bei. Youtube ist der Gatekeeper dieses Trends.

Quellen: Marcus Hochhaus, Florian Kerkau, Tim Prien von der Goldmedia Research GmbH im Goldmedia-Blog (Zusammenfassung)

Die Beratungsgruppe Goldmedia (www.goldmedia.com) veröffentlicht alljährlich Analysten-Kommentare und Thesen zu Trends des kommenden Jahres in Deutschland. Der Trendmonitor 2015 gibt einen Ausblick auf ausgewählte Entwicklungen in den Bereichen Medien, Telekommunikation, Entertainment und Internet.

Der Goldmedia-Trendmonitor zum Download.

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